PRESSEMITTEILUNG 77/2026

Weilheim, den 17.08.26

Aus dem Terminkalender der Tunnelbetriebstechnik: Hintergrundinformationen zur Wartung der Ulmendrainage im Tunnel Oberau (B 2)

18 Kilometer Entwässerungsleitungen gereinigt

Bei der Ulmendrainage des Tunnels Oberau handelt es sich um ein spezielles Entwässerungssystem in Form einer Außendrainage. Sie verläuft als Rohrleitung im seitlichen Übergangsbereich zwischen Tunnelwand und Tunnelsohle, der sogenannten Ulme. Sie sammelt Berg- und Sickerwasser, das um den Tunnel herum anfällt, sicher auf und leitet es ab mit dem Ziel, den Wasserdruck auf das Bauwerk zu verhindern. Die Ulmendrainage verkalkt leicht wegen des kalkhaltigen Bergwassers. Kalkstein ist in den Alpen ein weit verbreitetes Gestein, das aus Muscheln und Korallen entstanden ist, die sich am Meeresgrund des Urmeeres ablagerten.

In Privathaushalten häufig anzutreffen sind das erforderliche Entkalken von Kaffeemaschinen, Wasserkochern oder Waschmaschinen.

Knapp zwei Wochen lang - vom 20. bis 30. Juli 2026 - wurden die Entwässerungssysteme beider Tunnelröhren des 2.971 m langen Tunnel Oberau umfassend gespült (gereinigt) und gewartet. Das zuständige Team der Tunnelbetriebstechnik am Staatlichen Bauamt Weilheim gibt hierzu einen spannenden Rück- und damit Einblick: 

„Diese regelmäßigen Arbeiten verhindern, dass kalkhaltige Ablagerungen die Drainageleitungen langfristig verschließen und eine aufwendige Sanierung erforderlich wird“, formuliert Tunnelmanager Andreas Kraus den Zweck der einmal jährlich durchgeführten Maßnahme.

18 Kilometer

Mit Hilfe eines speziellen Spülfahrzeugs wurden in beiden Tunnelröhren des Tunnels Oberau im Juli 2026 insgesamt rund zwölf Kilometer Ulmendrainage sowie etwa sechs Kilometer Sammelleitungen im Bereich der Fahrbahn gereinigt. Damit wurden auf einer Gesamtlänge von rund 18 Kilometern kalkhaltige Ablagerungen und eingetragene Feststoffe aus dem Entwässerungssystem entfernt.

Wichtiger Bestandteil des Tunnelbauwerks

„Die Entwässerungsanlage gehört zu den technisch besonders wichtigen, für die Verkehrsteilnehmer jedoch kaum sichtbaren Einrichtungen eines Straßentunnels.

Das durch das umgebende Gebirge strömende Wasser enthält gelöste Mineralstoffe. Unter bestimmten Bedingungen können diese ausfallen und sich als kalkhaltige Ablagerungen an den Innenflächen der Rohrleitungen festsetzen. Zusätzlich gelangen feine Gesteinsbestandteile und andere Feststoffe in das Drainagesystem“, erklärt Tunnelmanager Andreas Kraus. Damit die Entwässerung dauerhaft funktionsfähig bleibt, müssen diese kalkhaltigen Ablagerungen regelmäßig, das heißt konkret einmal im Jahr, von den Teams der Tunnelbetriebstechnik und der Straßenmeisterei Oberau in Zusammenarbeit mit beauftragten Firmen entfernt werden. Ohne eine wiederkehrende Reinigung würde sich der freie Querschnitt der Leitungen zunehmend verringern. Das anfallende Wasser könnte langfristig nicht mehr ordnungsgemäß abgeleitet werden.

So laufen die Arbeiten ab:

Deckel auf der Schlitzrinne geöffnet und gewartet

Im Zuge der Arbeiten wurden sämtliche Deckel auf der Schlitzrinne geöffnet. Die Schlitzrinne im Tunnel ist Teil des Entwässerungssystems und befindet sich an der Fahrbahnkante. Sie besteht aus einem nicht sichtbaren (unterirdischen) Rinnenkörper und einem schmalen Schlitz an der sichtbaren Oberfläche (Fahrbahnkante). Hier wird das Regenwasser, Reinigungs- oder Löschwasser schnell aufgenommen. Die Deckel sowie deren Auflageflächen wurden von den Teams der Tunnelbetriebstechnik und der Straßenmeisterei gründlich gereinigt und anschließend neu eingefettet.

Auch die Deckel in der Fahrbahn wurden geöffnet, von ihren Sicherungsverbindungen gelöst beziehungsweise abgenabelt und gewartet. Nach der Reinigung wurden die entsprechenden Bauteile neu geschmiert.

Diese Arbeiten sollen sicherstellen, dass sich die Deckel auch bei zukünftigen Kontroll- und Wartungseinsätzen problemlos öffnen lassen. Ohne eine regelmäßige Pflege könnten Schmutz, Feuchtigkeit, Korrosion und Ablagerungen dazu führen, dass sich die Deckel festsetzen. Dies würde spätere Wartungsarbeiten deutlich erschweren und verlängern.

Rund 900 Kilogramm speziell abgestimmte Enthärtungstabletten

Zusätzlich zur mechanischen Spülung, die mittels eines speziellen Spülgeräts mit verschiedenen Rohraufsätzen ausgeführt wird, wurden unmittelbar danach in einem zweiten Schritt rund 900 Kilogramm Enthärtungstabletten in die Ulmendrainage eingebracht. Dieses zweistufige Prozedere - erst die mechanische Spülung, dann das Einbringen spezieller Enthärtungstabletten - wird jährlich ausgeführt.

Die eingesetzten Tabletten, die in etwa die Form von stärkeren 20 Cent-Münzen haben, wurden speziell auf die technischen und wasserchemischen Verhältnisse im Tunnel Oberau abgestimmt. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt hat sie auf ihre Umweltverträglichkeit hin geprüft und freigegeben.

Geliefert werden diese Tabletten in Säckchen mit einem Gewicht von 1,2 kg. Sie werden angeknotet, lösen sich nach und nach im anfallenden Wasser auf und tragen somit dazu bei, die Bildung und Verfestigung kalkhaltiger Ablagerungen innerhalb der Drainageleitungen in den Wochen und Monaten unmittelbar nach der Reinigung zu vermindern. „Das Verteilen der Enthärtungstabletten kann zu Recht als vorbeugende Behandlung bezeichnet werden, die die mechanische Spülung sehr gut ergänzt. Ersetzen können diese Tabletten die regelmäßige, jährliche Reinigung jedoch nicht. Erst das Zusammenspiel aus Spülung, technischer Kontrolle und vorbeugender Behandlung mit den beschriebenen Tabletten ermöglicht es, die Funktionsfähigkeit der Entwässerungsanlage langfristig zu erhalten“, erklärt Tunnelmanager Andreas Kraus.

Jährliche Reinigung verhindert aufwendige Sanierung

Diese regelmäßigen Wartungsarbeiten sind für den langfristigen Erhalt des Tunnelbauwerks von großer Bedeutung. Würden die Drainageleitungen nicht jährlich gereinigt und behandelt, kann man davon auszugehen, dass sich die Ulmendrainage innerhalb von etwa acht bis zehn Jahren vollständig zusetzt, also verschmutzt und verkalkt und folglich nicht mehr funktionstüchtig wäre. Abhilfe könnte dann nur noch eine kostenintensive und zeitaufwendige Sanierung mit Fräsarbeiten unter erheblichem technischem Aufwand bei längeren Verkehrseinschränkungen und Tunnelsperrungen bringen. Genau das wird durch den jährlichen Wartungsrhythmus vermieden. Die Teams der Tunnelbetriebstechnik und der Straßenmeisterei erhalten somit die einzelnen Rohrleitungen und leisten darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Bausubstanz, der Betriebssicherheit und langfristigen Verfügbarkeit des Tunnels Oberau.

Vom Prinzip her ist das Ziel beim Entkalken von Kaffeemaschinen oder Wasserkochern und Ulmendrainagen stets das gleiche, nur die Dimensionen und die eingesetzten Mittel unterscheiden sich etwas.

Kombination mit Wäsche und Wartung nicht möglich

Eine gleichzeitige Durchführung der Entwässerungsarbeiten, der Tunnelwäsche und der Wartung der betriebstechnischen Anlagen ist organisatorisch und personell nicht möglich. Die Reinigung und Behandlung der Entwässerungsleitungen dauert bereits etwa eine Woche je Tunnelröhre und erfordert während dieses Zeitraums einen sehr intensiven Personaleinsatz.

Bei den regulären Wartungs- und Reinigungsarbeiten sind erfahrungsgemäß rund 15 verschiedene Fach- und Fremdfirmen beteiligt. Deren Tätigkeiten müssen stets zeitlich exakt aufeinander abgestimmt und in einer festgelegten Reihenfolge ausgeführt werden. Eine Verknüpfung mit den Arbeiten an der Entwässerungsanlage würde dazu führen, dass einzelne Firmen teilweise bereits nach einem Arbeitstag von einer Tunnelröhre in die andere wechseln müssten.

Ein solcher Ablauf wäre aufgrund der erforderlichen Baustelleneinrichtung, der Verkehrssicherungsmaßnahmen, der begrenzten Personalressourcen und der engen zeitlichen Taktung nicht praktikabel.  

Schlüsselqualifikation Tunnelbetriebselektrik(er)

Diese aufgezeigten Tätigkeiten sind ein Teil der vielseitigen Aufgaben in den Tunnelanlagen des Loisachtales. Daher ist das Staatliche Bauamt Weilheim mit der Straßenmeisterei Oberau auf der Suche nach Verstärkung für das Tunnelteam, insbesondere (Betriebs)Elektriker. Bei Interesse einfach an bewerbung@stbawm.bayern.de wenden.

Fotos und Bildunterschriften:

Foto 1

Sehen aus wie 20 Cent-Münzen: Verteilung von Enthärtungstabletten im Schacht der Ulmendrainage.

Foto 2 und 3:

Blick in einen Schacht in der Oströhre beim Block 161 vor Beginn der mechanischen Spülungsarbeiten mit dem speziellen Spülgerät. Deutlich zu erkennen ist der weißliche Kalk.

Foto 4

Dieses Foto zeigt eine Hochdruckrotationsdüse im Einsatz. Der Rotationskopf nutzt Führungsschienen, um beim Abtragen des Kalks stets einen gleichmäßigen Abstand zu den Rohrwänden einzuhalten. Das Spülgerät bekommt beim Abbau des Kalks in den Drainageleitungen verschiedene Rohraufsätze. Entweder ist dies die sogenannte Hochdruckspüldüse oder - wie auf diesem Foto zu sehen - die Hochdruckrotationsdüse. Diese beiden stellen die Hauptanwendungsfälle dar. Sehr selten zum Einsatz kommt die sogenannte Kettenfräse.  

Auskunft erteilen: 

Herr Kraus, Tel. 0881/990-1160

Herr Kergl, Tel. 0881/990-1721

 

Zusatzinfo 1

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