PRESSEMITTEILUNG 37/2021

Weilheim, den 21.04.21

Sanierung der Beuerberger Pfarrkirche St. Peter und Paul abgeschlossen

Nach fast zehnjähriger Sanierung unter der Leitung des Staatlichen Bauamts Weilheim ist die ehemalige Klosterkirche in Beuerberg wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein erster Eindruck nach der Fertigstellung bestätigt, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Der Pfarrgemeinde und Besuchern steht eine in allen technischen Bereichen modernisierte und vollständig restaurierte Kirche von außergewöhnlicher Schönheit wieder zur Verfügung.

Historie

Die katholische Pfarrkirche in Beuerberg (ehem. Augustinerchorherren-Stiftskirche) wurde ursprünglich als Folge der Stiftung des Chorherrenklosters durch Bertha von Irinsburg (Eurasburg) zum Gedenken an ihren verstorbenen Gemahl errichtet und 1127 vollendet. Der romanische Bau aus dem 12. Jahrhundert stürzte bei Umbauarbeiten jedoch ein. Den heute sichtbaren weitgehenden Neubau führte ab 1628 wahrscheinlich Jonas Schaidhauf nach Plänen von Isaak Bader Senior durch. Eine Beteiligung von Hans Krumper wird hierbei vermutet. Die Weihung des neuen Gotteshauses erfolgte 1635. Erwähnenswerte historische bauliche Eingriffe sind die Erhöhung des Turms im Jahre 1659 nach Beschädigung durch einen vorangegangenen Blitzschlag und die Erweiterung um das westliche Joch, dem heutigen Haupteingang, der die Kirche geometrisch gänzlich in die Fluchtlinien des Klosters integrierte. Im Zuge der Säkularisierung 1803 wurde die Kirche Eigentum des Freistaats Bayern und zur Pfarrkirche erhoben. 

Der Weg zur Restaurierung

Da sich in jüngerer Vergangenheit eine zunehmende Beeinträchtigung der Bausubstanz durch Feuchte und Bauteilbewegungen im Bereich des Westwalms und einiger Seitenkapellen abzeichnete, bat das Staatliche Bauamt Weilheim um einen Planungsauftrag zur Initiierung einer (haushaltsrechtlich) großen Baumaßnahme. Den Umfang dieser zu beurteilen war nicht nur baufachlich herausfordernd. Auch juristisch galt es aufgrund der komplexen rechtlichen Baulastregelungen zwischen Staat und Kirche einige Hürden zu überwinden. Im Jahr 2011 wurde nach Verhandlungen eine Einigung zur Kostenteilung für die anstehende Restaurierung erzielt. Demzufolge konnte noch im Sommer desselben Jahres der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags die haushaltsrechtliche Genehmigung für die geplanten Maßnahmen erteilen.

Ablauf der Restaurierung

Das Staatliche Bauamt Weilheim begann sodann im Herbst 2011 mit den Bauarbeiten. In den ersten Jahren standen zunächst die statische Sicherung des Bauwerks und die Sanierung des Kirchendaches im Vordergrund. Auch wenn der historische Bestand noch einiges an unabsehbaren Überraschungen bereithielt, wurden beständig und mit der nötigen Sorgsamkeit die Bauarbeiten vorangetrieben. So wurden z. B. wegen nicht absehbarer statischer Komplikationen nach der Erarbeitung eines Sicherungskonzepts Rückverankerungen mit Zugstäben der Westfassade und eine Ertüchtigung der Wandscheibe durch Baumeisterarbeiten erforderlich. Auch waren die Feuchteschäden bei der Freilegung der Dachkonstruktion weitaus weiter fortgeschritten als bekannt. Umfangreiche Reparaturarbeiten der Konstruktion waren die Folge.

Im Jahr 2014 konnte die Sicherung des Gebäudes weitgehend abgeschlossen werden und im gleichen Jahr erfolgte eine Überarbeitung der ersten Fassaden. Parallel hierzu führte das Staatliche Bauamt historische Befundungen im Innenraum der Kirche durch und traf Abstimmungen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, um das geplante Sanierungskonzept für den Innenraum denkmalpflegerisch einwandfrei realisieren zu können. Doch auch im Innenraum gab das Bauwerk, das durch so viele Zeitepochen gegangen ist, im Zuge der Bauarbeiten so manches Geheimnis aus seiner Geschichte preis. So wurden z. B. im Jahr 2016 bei der Abnahme der Sockelputzflächen hochwertige mittelalterliche Fresken aus dem 15. Jahrhundert entdeckt. Diese mussten denkmalpflegerisch begutachtet und bewertet werden. Letztendlich fiel die Entscheidung, dass man die aufgedeckten Kulturschätze für die Nachwelt sichtbar lassen und in das Restaurierungskonzept der Kirche einbinden wollte. Ein weiterer Aspekt der Substanzsicherung der Kirche war die Rettung der Ausstattung und somit die Bekämpfung des Anobienbefalls (die Anobie – Anobium punctatum, lat. – ist der gemeine Nagekäfer, auch Holzwurm genannt). Nach erfolgter Schädlingsbekämpfung wurde im Frühjahr 2016 das gesamte Kirchenschiff mit einem Raumgerüst eingerüstet und mit der Überarbeitung der Stuckflächen im Innenraum im Bereich der Raumschale begonnen. Auch hier stieß man vor allem im Westchor auf Farbschichten von 1730. Diese wurden zwar befundet, im weiteren Verlauf der Restaurierung jedoch nicht flächendeckend freigelegt. 

Die temperaturabhängigen Arbeiten am frühbarocken Stuck im Kirchenschiff, dem Chorraum und der Sakristei mit den begleitenden Kirchenmalerarbeiten ersteckten sich auf die Jahre 2017 und 2018. In diesem Zeitraum wurden auch die Kirchenfenster an der Südseite aufwendig restauriert. Die Gläser und die Konstruktion aus dem 17. Jahrhundert wurde von einer Spezialfirma vom Niederrhein durchgeführt, die unter anderem auch schon für den Vatikan tätig war. Hierzu musste eine Bearbeitung in einem Bereich erfolgen, der sich nach Auflösung des Klosters im Besitz der Erzdiözese München Freising befindet. Durch die gute Nachbarschaft war die Zugänglichkeit gegeben. Dass derartige Absprachen so einfach getroffen werden konnten, steht stellvertretend für die produktive Zusammenarbeit der direkt oder indirekt Beteiligten im Umfeld des Projekts: die Erzdiözese München Freising, der Pfarrei Beuerberg, der Politik und den Behörden des Freistaats Bayern.

Nachdem der Bestand derart viele Überraschungen bereithielt, wurde haushaltsrechtlich ein Nachtrag unabdingbar. Die Kostenerhöhung von knapp 4,6 auf 5,9 Mio. € wurde daraufhin in der Sitzung des Haushaltsauschusses am 04.07.2018 vom Bayerischen Landtag genehmigt. Die fortgeschriebene Höhe der Kosten hat sich bis zur Fertigstellung der Maßnahme als auskömmlich erwiesen.

2019 konnte nach Teilrückbau und Ergänzungen an den Gerüsten mit der aufwendigen Konservierung und Restaurierung der Ausstattung begonnen werden. Die Altar-konstruktionen sind überwiegend aus dem 17. Jahrhundert und bedeutende Zeitzeugen aus der Schaffenszeit mitten im dreißigjährigen Krieg.

Die sogenannte Bruderschaftskapelle von 1730 wurde auch einer aufwendigen Restaurierung unterzogen. Wasserschäden aus der Vergangenheit und damit einhergehende Versalzungen führten zu einem ausgeprägten Schadensbild. Nur mit aufwendigen Verfahren konnte eine gewisse Stabilität der Oberflächen erreicht werden. Da eine gänzliche Wiederherstellung des Glanzes dieser Kapelle jeglichen Rahmen in Bezug auf Zeit und Kosten gesprengt hätte, wurden gut erhaltene Relikte teilweise herausgearbeitet und neu vergoldet. So reicht ein Teil des Glanzes der Vergangenheit in die Gegenwart und die gänzliche Wiederherstellung, sollte sie jemals angestrebt werden, bleibt eine Herausforderung künftiger Generationen.

Die Orgelempore und der Orgelprospekt hatten in den 1960er Jahren eine starke Überarbeitung erfahren und waren entsprechend dem Zeitgeschmack in einem gedämpften Farbspektrum gefasst. Konzeptionell erschien dieser starke neuzeitliche Eingriff unpassend. Die verspielte und ursprüngliche Farbgebung der gesamten Orgelsituation aus der Zeit um 1790 stellt ein seltenes und einmaliges Zeitzeugnis dar, das durch Befunde belegbar ist und sich nun wieder wie selbstverständlich in den Kirchenraum einfügt. Die Arbeiten an der umfangreichen Ausstattung, den Altären, dem Gestühl und auch der beweglichen Kunst erstreckten sich bis zum Eröffnungsdatum April 2021.

Eine Überarbeitung im Rahmen der Restaurierung erfuhr auch die gesamte Elektrotechnik. Sicherheitsanlagen für Brandmeldung und Einbruchsschutz, neueste Akustiktechnik für die Tonübertragung auch mittels Induktion für Hörgeräte wurden vorgesehen. Eine zeitgemäße Kirchenbeleuchtung in LED-Technik spart Energie und wurde angemessen zur Unterstützung der Liturgie geplant und unterstützt mit der Farbgebung und Intensität und Verortung der Leuchtmittel kompositorisch die Atmosphäre des Bauwerks.

Das Staatliche Bauamt Weilheim, zuständig für die gesamte Planung und den reibungsfreien Bauablauf, ist stolz auf das Gesamtergebnis. Zusammen mit dem Kloster Beuerberg, das ebenfalls eine Revitalisierung erfährt, erhält die Gemeinde Euras-burg - Beuerberg ein bedeutendes kulturelles Zentrum im Oberland zur Nutzung zurück.

Foto und Bildunterschrift

StBAWM_Kirche_Beuerberg_Innenraum_Fotograf_Achim_Bunz.JPG

Der Innenraum der Beuerberger Pfarrkirche St. Peter und Paul nach der Restaurierung (Foto: Achim Bunz)

Hinweis:

Das Foto finden Sie ganz unten bei „Weitere Informationen“.

Auskunft erteilt:

Herr Aumann, Bereichsleitung Hochbau, Tel. 0881/990-2100

peter.aumann@stbawm.bayern.de